Bauarbeiter stößt zufällig auf größte Dinosaurierspur-Stätte Großbritanniens

In der Dewars Farm Quarry in Oxfordshire, England, wurden überraschend mehr als 200 Dinosaurier-Fußabdrücke gefunden. Der Fund hat weltweit Paläontologen aufhorchen lassen und liefert neue Einblicke in das Leben und Verhalten von Dinosauriern im Mittleren Jura. Die Entdeckung wirft neues Licht auf die damalige Umwelt und bietet reichlich Stoff für weitere Forschung und Schutzmaßnahmen.
Wie der Fund entdeckt wurde
Der Fundort, Dewars Farm Quarry, geriet ins Rampenlicht, als der Steinbrucharbeiter Gary Johnson beim Entfernen von Ton zufällig die ersten Spuren bemerkte. Kurz darauf reisten Paläontologen und Forschende an, um die Fläche genau zu untersuchen. Anfangs waren es nur kleine Wellenrippeln im Ton, die bei den weiteren Arbeiten deutlicher sichtbar wurden.
Die Leitung des Feldprojekts lag bei Dr. Duncan Murdock vom Oxford University Museum of Natural History (OUMNH). Neben Paläontologen und Steinbruchpersonal halfen viele Freiwillige dabei, die empfindlichen Abdrücke vorsichtig freizulegen, ohne die Ränder zu beschädigen.
Gesteine und Sedimente vor Ort
Die Gesteine am Fundort stammen aus dem Mittleren Jura. Die Schichten, die die Spuren bewahrten, bestehen überwiegend aus Lagunenton (feiner Ton, der in flachen Lagunen abgelagert wurde). Diagenetische Prozesse führten dazu, dass spätere Schichten Vertiefungen füllten und die Oberfläche glätteten. Typisch sind feine Wellenrippeln und sogenannte “Squeeze-Ränder”, die sich um die Fußabdrücke gebildet haben.
So sehen die Fußabdrücke aus
Mehr als 200 gut erhaltene Fußabdrücke wurden freigelegt, die zwei unterschiedliche Typen zeigen. Runde Hinterfußabdrücke werden Sauropoden wie Cetiosaurus zugeordnet, während dreizehige Spuren mit scharfen Krallen Theropoden wie Megalosaurus zugeschrieben werden. Es deutet vieles darauf hin, dass die abgerundeten und die dreizehigen Spuren bei verschiedenen Ereignissen entstanden sind: spätere, schwere Tritte haben offenbar ältere Abdrücke deformiert.
Was die Spuren über Verhalten und Bewegung verraten
Die gefundenen Spurfolgen wirken wie geordnete Pfade, die sich aus den regelmäßigen Links-/Rechts-Schritten der Tiere erklären lassen. Die Zehenspitzen zeigen nach vorn, sodass die Bewegungsrichtung bestimmt werden konnte. Anhand der Schrittweite (die mit Körpergröße und Gangtempo zusammenhängt) ließen sich Rückschlüsse auf die Geschwindigkeit ziehen. Die parallelen Sauropoden-Trackways deuten auf Gruppenverhalten hin, da alle Fußspurenreihen in dieselbe Richtung ausgerichtet waren.
Ausgrabung und Dokumentation
Die sorgfältige Freilegung gelang durch enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und zahlreichen Freiwilligen. Bevor Maschinen zurückkehrten, wurden die dokumentierten Abschnitte wiederverfüllt, um die Sichtbarkeit der Spuren zu erhalten. Vor Ort wurden umfangreiche Dokumentationen erstellt und Luftaufnahmen mit Drohnen gemacht, die zur Erstellung von 3D-Modellen mittels Photogrammetrie genutzt wurden. Diese digitalen Modelle sind für künftige Forschungen und um wiederholte Eingriffe in die Fläche zu vermeiden sehr wertvoll.
Weitere Funde und Schutzüberlegungen
Neben den Fußabdrücken wurden in derselben Schicht auch Wurmgänge, Muscheln und Pflanzenfragmente gefunden, die zusätzliche Hinweise auf die damalige Umgebung liefern. Wegen der wissenschaftlichen Bedeutung wird geprüft, ob der Steinbruch als „Site of Special Scientific Interest (SSSI)“ geschützt werden sollte (ein Gebiet mit besonderer wissenschaftlicher Bedeutung).
Die Entdeckung ist ein wichtiger Beitrag zur Paläontologie und lädt zu weiteren Untersuchungen ein, um das Bild der Dinosaurierzeit weiter zu schärfen. Wie Dr. Duncan Murdock sagt: „Es ist spannend zu sehen, wie die Spuren einzelner Dinosaurier so lebendig erhalten geblieben sind.“ Die Kombination aus gründlicher Dokumentation, fortlaufender Forschung und möglichen Schutzmaßnahmen sorgt dafür, dass diese historische Fundstelle auch künftigen Generationen erhalten bleibt.