Was sich an der Haut im Alter verändert
Mit dem Alter passieren mehrere physiologische Veränderungen der Haut. Die Talgproduktion nimmt ab, und die Epidermis wird dünner. Das führt zu einem Verlust an Elastizität und einer verlangsamten Zellneuerung, wodurch die Haut verletzlicher, gespannter und juckender wird. Dr. Sylvie Meaume, Dermatologin und Chefin der Abteilung „Gériatrie Plaies et Cicatrisation“ am AP-HP Rothschild, erklärt: “Seniorinnen und Senioren haben eine dünnere und trockenere Haut, die stärker spannt und mehr juckt als bei jüngeren Personen.”
Auch der hydrolipidische Film (die natürliche Schutzschicht der Haut) wird mit dem Alter weniger wirksam. Zu häufiges oder zu aggressives Waschen kann diese Barriere weiter schädigen, wodurch die Haut noch anfälliger für äußere Reize und Feuchtigkeitsverlust wird.
Was die Expertinnen empfehlen
Das Ziel ist, Hygiene an die gealterte Haut anzupassen und ein Gleichgewicht zwischen Sauberkeit und Erhalt der Hautschutzbarriere zu finden. Dr. Sylvie Meaume empfiehlt: “Ab 65–70 Jahren ist es ideal, wenn möglich, den Körper jeden Tag abzuspülen, aber alle 3 Tage Seife zu verwenden, ohne die Haut zu stark zu reiben.” Damit sollen Belastungen der Haut vermieden werden, während bestimmte Bereiche wie Achseln, Füße und Intimbereiche täglich gereinigt werden sollten.
Forscher der Harvard Medical School unterstützen diese Tipps und raten außerdem zu kürzeren Duschzeiten von 3–4 Minuten und zur Nutzung von lauwarmem statt heißem Wasser. Das hilft, die natürliche Feuchtigkeit der Haut zu bewahren und ihre Empfindlichkeit zu reduzieren.
Welche Produkte und Pflegetipps helfen
Die Wahl der richtigen Produkte spielt eine große Rolle für die Hautgesundheit im Alter. Dermatologische Seifenstücke, Duschöle und fette Seifen werden empfohlen, weil sie weniger aggressive Tenside enthalten. Inhaltsstoffe wie Sulfate, Polyethylen, Säuren und Natriumverbindungen sollten vermieden werden. Die Technik des Abtupfens der Haut mit einem Handtuch nach dem Duschen statt kräftigen Reibens schützt die Haut zusätzlich.
Die individuelle Anpassung der Pflegeroutine an Saison, Aktivitäten und Gesundheitszustand ist wichtig, um Trockenheit, Irritationen, Allergien und Ekzeme zu verhindern.
Was das für tägliche Gewohnheiten bedeutet
Diese Empfehlungen fordern kulturell verankerte Gewohnheiten des täglichen Duschens heraus. Eine geringere Duschfrequenz heißt aber nicht, dass man Hygiene vernachlässigt; sie ist eine Anpassung an die Bedürfnisse der alternden Haut.
Mit einer überlegten und angepassten Pflege können Seniorinnen und Senioren ihre Haut gesünder und angenehmer pflegen und so auch ihre Lebensqualität verbessern. Es lohnt sich, die eigenen Hygieneroutinen zu überdenken und als Teil eines gesunden Alterns zu sehen.