Google Gibt Jetzt Alle Deine SMS-Nachrichten an Deinen Arbeitgeber Weiter

Am 2. Dezember hat Google eine umstrittene Funktion eingeführt, die erhebliche Folgen für die Privatsphäre der Nutzer haben könnte. Diese Neuerung betrifft Android-Nutzer und insbesondere diejenigen, die arbeitsverwaltete Geräte verwenden.
Das müssen Sie zur neuen Funktion wissen
Google hat angekündigt, dass die Android RCS‑Archival‑Funktion auf Pixel- und anderen Android‑Telefonen eingeführt wird. RCS (Rich Communication Services)‑Chats können damit von Arbeitgebern auf arbeitsverwalteten Geräten abgefangen und archiviert werden. Die Änderung betrifft RCS, SMS und MMS und soll laut Google Unternehmen helfen, Compliance‑Anforderungen zu erfüllen. Besonders betroffen sind regulierte Branchen, in denen die Archivierung von Kommunikation bereits üblich ist.
Google betont ausdrücklich: “Dieses Update ändert oder beeinträchtigt nicht die Privatsphäre persönlicher Geräte.” Die Firma beschreibt die Funktion außerdem als “eine zuverlässige, von Android unterstützte Lösung für Nachrichtenarchivierung” (laut Google) und weist darauf hin, dass sie mit SMS und MMS rückwärtskompatibel ist. Mitarbeiter sehen eine deutliche Benachrichtigung auf ihrem Gerät, wann immer die Archivierungsfunktion aktiv ist.
Was das für Mitarbeiter bedeutet
Trotz der angeblichen Ende‑zu‑Ende‑Verschlüsselung von RCS können Arbeitgeber diese Nachrichten auf arbeitsverwalteten Geräten lesen. Viele Mitarbeitende hatten angenommen, dass Textnachrichten dieselbe Privatsphäre bieten wie andere verschlüsselte Kanäle, und empfinden das jetzt als Vertrauensbruch. Dass Arbeitgeber Zugriff auf Textkommunikation bekommen, erinnert an die Unsicherheit von E‑Mail‑Systemen, die oft als leicht überwacht gelten.
Google argumentiert, die Freigabe von RCS helfe Unternehmen, moderne Messaging‑Dienste anzubieten, ohne bestehende Compliance‑Standards zu verletzen. Vorher mussten Arbeitgeber RCS komplett blockieren. Die neue Lösung erlaubt jetzt das Teilen hochwertiger Mediendateien und zeigt Schreibindikatoren an.
So reagieren Google und andere
Als Reaktion auf die Bedenken betont Google, dass die Archivierungsoption nur für unternehmensverwaltete Geräte in regulierten Branchen vorgesehen ist. Die Funktion ist optional — Organisationen können selbst entscheiden, ob sie sie nutzen wollen. Trotzdem hat ein ähnlicher Fall mit Microsoft (ein Teams‑Update) gezeigt, wie schnell solche Funktionen als Eingriff in die Privatsphäre wahrgenommen werden können.
Das könnte Mitarbeitende dazu bringen, auf alternative Messaging‑Apps wie WhatsApp und Signal auszuweichen, die ihre Verschlüsselung selbst kontrollieren und nicht automatisch vom Betriebssystem überwacht werden. Die Ausweitung von Archivierungs‑ und Überwachungsfunktionen macht außerdem den Unterschied deutlich zwischen systemverwalteter Nachrichtenkommunikation und sogenannten OTT‑Plattformen (Over‑the‑Top, also eigenständige Apps). Während RCS und SMS von Systemen wie Android oder iOS verwaltet werden, bieten OTT‑Apps eine separate, verschlüsselte Kommunikationsebene.
Was das für die Zukunft der Unternehmenskommunikation heißt
Dieser Schritt von Google könnte weitreichende Folgen für die Unternehmenskommunikation und die Nutzung dienstlich bereitgestellter Geräte haben. Die Vorstellung, dass Arbeitgeber private Nachrichten auf bereitgestellten Geräten überwachen können, stellt neue Fragen zur Balance zwischen Unternehmenssicherheit und Mitarbeiterprivatsphäre.
Wie Firmen diese Funktion zu Beginn handhaben, könnte beeinflussen, welche digitalen Tools sie künftig einsetzen und welche Plattformen sie für die interne Kommunikation bevorzugen. In einer Welt, in der der Schutz persönlicher Daten an Bedeutung gewinnt, regt diese Entwicklung dazu an, darüber nachzudenken, wie man Informationen teilt und welche Schutzmechanismen man für notwendig hält.