Fundort und Geologie
Der Biwa-See erstreckt sich über etwa 670 km² und liegt in der Präfektur Shiga. Gefunden wurde das Gefäß in der Nähe der versunkenen Ruinen von Tsuzura Ozaki. Die Stelle ist durch eine talförmige Vertiefung im Seebett geprägt. Tektonische Bewegungen und eine vergleichsweise geringe Sedimentation haben hier dafür gesorgt, dass Gegenstände über Jahrtausende hinweg fast ohne nennenswerten Verfall erhalten geblieben sind.
Das Gefäß lag in einer Tiefe von 64 Metern unter der Wasseroberfläche und stand bemerkenswerterweise senkrecht aufrecht. Diese ungewöhnliche Lage lässt vermuten, dass die Positionierung nicht zufällig war, was Spekulationen über den ursprünglichen Zweck des Gefäßes anheizt.
Was das Gefäß verrät
Das Gefäß stammt aus der frühen Jōmon-Periode, einer der ältesten und langlebigsten Kulturphasen Japans. Die Jōmon-Zeit ist bekannt für ihre künstlerische Ausdruckskraft und die Verwendung von Schnurdekortechniken (daher der Name „Jōmon“, wörtlich „mit Schnur verziert“). Mit einer Höhe von circa 25 cm und einer spitz zulaufenden Basis zeigt das Gefäß typische Merkmale des Jinguji-Stils, einem der ältesten Stile dieser Epoche.
Der außergewöhnliche Erhaltungszustand und der historische Befund könnten neue Hinweise auf die Lebensweise der Menschen liefern, die möglicherweise an den Ufern des heutigen Biwa-Sees siedelten, bevor das Gebiet vom Wasser bedeckt wurde.
Technik und Herausforderungen der Unterwasserarchäologie
Ohne moderne Technik wäre die Entdeckung kaum möglich gewesen. Autonome Unterwasserfahrzeuge (AUVs) und 3D-Scanner, entwickelt vom National Maritime Research Institute (NMRI) in Japan, wurden speziell für solche Einsätze angepasst. Diese Instrumente, ursprünglich für die Inspektion von Seekabeln gedacht, erlauben eine sehr präzise Kartierung des Seebodens, selbst bei schlechter Sicht. Forschende berichten, dass die so gewonnenen Daten oft detaillierter sind als die von traditionellen Taucherteams.
Wie es weitergeht: Forschungen und Ausstellungen
Der Fund wurde während einer Expedition des Nara National Research Institute for Cultural Properties im Oktober 2025 entdeckt und wird nun intensiv untersucht. Geplant sind Analysen zur Materialzusammensetzung des Gefäßes und Untersuchungen möglicher Nutzungsarten. Das Museum of Underwater Archaeology of Japan hat bereits Interesse bekundet, das Objekt auszustellen und ein 3D-Modell für virtuelle Besichtigungen zu erstellen. Wissenschaftler wie Kenichi Yano von der Universität Ritsumeikan heben hervor, dass Unterwasserfunde Informationen liefern können, die man an Land oft nicht findet.
Die Entdeckung dieses mehr als 10.000 Jahre alten Gefäßes eröffnet neue Perspektiven auf Japans früheste Epochen und zeigt, wie wertvoll die Verknüpfung von traditioneller Archäologie und moderner Technik ist. Es bleibt zu hoffen, dass künftige Expeditionen ähnliche Funde zutage fördern und unser Bild der Vergangenheit weiter vervollständigen.